der Regenwaldkonflikt

In der Literatur zu den borealen Waeldern Kanadas, die in den kuehleren Gebieten des Landes vorkommen, werden saurer Regen, Waldbraende, Insektenbefall, Ozonloch und Treibhauseffekt als belastende Einflußfaktoren genannt. Bei den temperierten Regenwaeldern scheinen diese Problematiken nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. Dagegen wird die Abholzung der temperierten Regenwaelder intensiv diskutiert. "Because stand-destroying disturbances are so uncommon in coastal British Columbia, it can be assumed that the vast majority of immature forests result from logging. Bezug nehmend auf den "Raubbau" am tropischen Regenwald wird Kanada auch als "Brasilien des Nordens bezeichnet. Auf die Problematik einer Waldnutzung, die sowohl oekologische als auch oekonomische Interessen beruecksichtigt, gehe ich hier ein. Dabei werde ich die Situationen und Standpunkte der unterschiedlichen Gruppen in diesem Interessenskonflikt darstellen.

Das Oekosystem der temperierten Regenwaelder belegt nur noch einen kleinen Platz auf unserem Planeten. Es wird geschaetzt, daß vor 500 Jahren 30 Millionen Hektar Regenwald auf der Erde in gemaeßigten Zonen gewachsen sind. Die ursprüuenglichen temperierten Regenwaelder Europas sind verschwunden. Heute befinden sich die wesentlichen Verbreitungsgebiete aussertropischen Regenwaldes in Nordamerika, Chile, Neuseeland, Australien und Japan.

Ueber das sehr komplexe und komplizierte Oekosystem "temperierter Regenwald" ist bis heute noch nicht viel bekannt. Es stellt sich die Frage, ob Eingriffe durch den Menschen das Gleichgewicht dieses Oekosystems dauerhaft stoeren oder ob es moeglich ist, die Interessen der Menschen mit dem Fortbestehen der temperierten Regenwaelder zu verbinden. Heute ist bekannt, daß sich Waelder, deren Vegetation auf eine natuerliche Art und Weise zerstoert wird, in der Regel selbst wieder erneuern. Dazu gehoeren zum Beispiel Schaeden durch Windbruch und Waldbraende. Inwieweit der Mensch durch seine Nutzung des Waldes das Öekosystem beeintraechtigt, haengt von den Methoden und dem Ausmass der Nutzung ab.

In British Columbia wird seit den 90er Jahren eine Diskussion über die zukuenftige Nutzung der temperierten Regenwaelder gefuehrt. 52 Prozent des dortigen Regenwaldes sind nach Aussagen der Neuen Zuericher Zeitung zur Nutzung geeignet. In den Jahren 1991 und 1992 wurden 330 Quadratkilometer dieses Waldes abgeholzt. Ein Grund für die Abholzung ist die günstige Kuestenlage. Der Wald ist dadurch leicht zugaenglich und die Baumstaemme koennen nach dem Abholzen relativ einfach abtransportiert werden. Die riesigen Baeume sind zudem sehr wertvoll, da sie nach Aussagen der Frankfurter Rundschau pro Kubikmeter Holz einen Verkaufserloes von circa 600 Dollar einbringen. Somit kann der Wert eines einzigen Baumes mehrere 10.000 Dollar betragen.

Im Sueden von Vancouver Island wird der Wald seit über einem Jahrhundert abgeholzt und nur wenige Regenwaelder waren in der Vergangenheit geschuetzt. In den letzten Jahren hat jedoch in der Gesellschaft im Bereich von Umweltfragen ein Umdenkungsprozess stattgefunden. So entbrannte ein Streit um die auf oeffentlichem Land wachsenden temperierten Regenwaelder in British Columbia. Ein Streit, der im Spannungsfeld zwischen Oekonomie und Oekologie steht. Er wird mittels Protestaktionen, Anzeigen und PR-Kampagnen ausgetragen.

Die Umweltschuetzer bekaempfen die Art und Weise und das Ausmass der Abholzung der Waelder British Columbias. Sie plaedieren für eine Reduzierung der Ernterate, eine Reduzierung der Abholzungsflaeche und eine Aenderung der Abholzungspraktiken. Sie befuerworten umweltvertraegliches Abholzen, um die Struktur und Funktion des Waldes zu erhalten, waehrend Holz gewonnen wird. Die Position der Umweltschuetzer beruht auf dem Standpunkt, daß die biologische Vielfalt in den temperierten Regenwaeldern der Provinz in betraechtlichem Masse geopfert wird, um kurzzeitigen Wohlstand durch die Nutzung der Ressource "Wald" zu erreichen. Sie weisen ausserdem auf die Bedeutung der Biomasse des temperierten Regenwaldes für das Leben auf der Erde hin. Die Umweltschuetzer wollen einzigartige Gebiete des temperierten Regenwaldes dauerhaft schuetzen und somit die letzten Bestaende für zukuenftige Generationen bewahren. Sie setzen sich für den Erhalt der Lebensraeume von Pflanzen und Tieren ein und vertreten auch die Interessen der Ureinwohner

Die Forstindustrie in British Columbia und ihre Arbeiter leben von der wirtschaftlichen Nutzung der Waelder in der Region. Die Industrie wird beherrscht von einer relativ kleinen Anzahl von grossen multinationalen Unternehmen. Sie versuchen ihre Rechte zur Ressourcennutzung in dem Umfang zu behaupten, wie er ihnen in der Vergangenheit von der Provinzregierung eingeraeumt wurde. Ferner bekaempfen sie zusaetzliche Beschraenkungen und Regulationen, die ihnen bei der Ressourcennutzung Nachteile bringen wuerden. Die Forstindustrie hat die Bedenken geaeussert, dass sie im internationalen Markt nicht wettbewerbsfaehig bleiben koennte, wenn sie gezwungen wäre, weitere Beschraenkungen in ihrer Arbeitsweise hinzunehmen und darueber hinaus bestimmte Flaechen nicht mehr abzuholzen. Ausserdem lassen die Unsicherheiten ueber die derzeitigen Bestimmungen, nach Meinung der Forstindustrie, keine langfristige Planung zu. Mit diesen Aussagen verbindet sich auch die Sorge der Arbeitnehmer um die Sicherheit ihrer Arbeitsplaetze

Die ursprüngliche Bevoelkerung British Columbias besteht aus 23 Stämmen. In British Columbia hat es nach Aussagen der Neuen Zuericher Zeitung nie Vertraege zwischen den Ureinwohnern und der Regierung gegeben, die die Landnutzungsrechte klaeren. Daraus folgern die Ureinwohner, daß die Regierung nicht befugt ist, Waelder zur Abholzung freizugeben. Es gibt jedoch keine einheitliche Meinung zwischen den einzelnen Staemmen der Ureinwohner, wie mit Verhandlungen über Landansprueche umzugehen ist. Allerdings besteht eine Uebereinstimmung zwischen den Staemmen, dass sie deutlich mehr Einfluss auf ihr eigenes Leben und die Ressourcen in ihren traditionellen Gebieten erlangen moechten, als gegenwaertig der Fall ist. Fuer die Ureinwohner gilt es, im Umgang mit der Natur mit Bedacht vorzugehen. Sie sagen: "Alles, was du aus der Natur nimmst, sollst du mit Bedacht nehmen. Brauchst du es wirklich? Nimm nicht mehr, als du für einen Überschaubaren Zeitraum benoetigst. Hast du dem Baum erklaert, warum du seine Rinde abschaelst, hast du dich bei dem Hirsch bedankt für das Fleisch, das er dir schenkt? Alles, was du tust, hat eine Wirkung, denn alles hängt miteinander zusammen.

Der temperierte Regenwald bietet den Ureinwohnern eine wirtschaftliche und kulturelle Basis, in der Jagen, Fischen und kulturelle Aktivitaeten wichtige Bestandteile sind. Ziel der Ureinwohner ist es, ihre Gebiete vor dem Abholzen zu retten und im Einklang mit der Natur zu leben.

Wie das Canada Journal formuliert, befindet sich die Regierung British Columbias unter Mike Harcourt in einem "sehr komplizierten politischen Eiertanz" zwischen den Interessen der Umweltschuetzer und denen der Forstindustrie. Zum einen ist die Regierung abhaengig von den Einnahmen aus der Forstindustrie und verantwortlich für eine Sicherung der Arbeitsplaetze, zum anderen bangt sie um ihre Waehlerstimmen, die sie zu einem betraechtlichen Teil bei Umweltschuetzern vermutet. Ausserdem befindet sich die Regierung in einem internationalen Konflikt, da aus vielen Laendern gegen das Abholzen des temperierten Regenwaldes protestiert wurde. Zusaetzlich gefährden ruecksichtslose Forstpraktiken im eigenen Lande die Glaubwuerdigkeit Kanadas im Zusammenhang mit der Problematik des Raubbaus am tropischen Regenwald.

Die Aufgabe der Regierung ist es, die Bewirtschaftung der Waelder zu kontrollieren. Heute steht nicht mehr allein die Holzproduktion im Vordergrund, sondern eine bestandserhaltende Forstwirtschaft. Nach Aussagen der Regierung wurden bisher 22.000 Quadratkilometer des Regenwaldes British Columbias abgeholzt. Inzwischen stehen 7.000 Quadratkilometer unter Naturschutz und dürfen nicht mehr abgeholzt werden. Ausserdem ist es gegenwaertig im Gespraech, weitere 9.000 Quadratkilometer zukuenftig vor dem Abholzen zu bewahren. Die Regierung hat die holzwirtschaftlichen Betriebe dazu verpflichtet, Plaene über die geplante Waldnutzung und Waldaufforstung vorzulegen und hat durchgesetzt, daß im Sueden British Columbias nur Flaechen bis zu 40 Hektar und im Norden bis zu 60 Hektar kahlgeschlagen werden duerfen. Darueber hinaus hat die sozialdemokratische Regierung die Strafen für Zuwiderhandlungen drastisch erhoeht und verschaerfte Auflagen im Bereiche des Erosionsschutzes gestellt. Es sollen neue Provinzparks geschaffen werden, in denen unter anderem auch Regenwaelder mit ihrer großen biologischen Artenvielfalt geschuetzt werden. Die Regierung spricht sich dafuer aus, beispielhafte Urwälder als Schutzgebiete auszuweisen und die alten Waelder fuer zukuenftige Generationen zu bewahren. Kanada will mit seinen Forstpraktiken international zum Vorbild werden.

BUY FOREST bemueht sich das Vorhaben der Kanadischen Regierung und den Umweltschutzorganisationen in British Columbia mit Ankaeufen von Waldgrundstuecken zu Unterstuetzen und die Region somit vor Kahlschlag schuetzen.

Technisch ausgereifte Systeme Beschleunigen den rasanten Raubbau der Waldregionen in British Columbia