Performance:
das Schwarze Loch und die weissen Zwerge
Auftritte in der Markthalle und Stairway sowie TV mitschnitte - 1988
Die Kunst Medien zu manipulieren.
PR-Text:
aus Los Angeles/California haben in den vergangenen zwei Jahren an der West-Coast für Furore gesorgt. Die sechsköpfige Performance-Truppe erinnert in der Konzeption an das Survival-Research-Laboratory, das bei seinen Auftritten selbstkonstruierte Maschinen gegeneinander anrennen lässt. Diesen Ansatz übertragen DAS SCHWARZE LOCH UND DIE WEISSEN ZWERGE vom mechanischen auf den psychischen Bereich. DAS SCHWARZE LOCH UND DIE WEISSEN ZWERGE setzen sich zusammen aus drei Amerikanern, zwei Exilrussen und einem Portugiesen.

KATE ANCHORAGE hatte sich schon Anfang der 90er Jahre einen Namen als Initiatorin der LIVE-DEATH- Hard Core Filmbewegung in San Diego gemacht und arbeitete (u.a. mit Wild Man Fisher) auf dem Videosektor.

GREG FOWLEY kam zu DAS SCHWARZE LOCH UND DIE WEISSEN ZWERGE, nachdem er sich von der ex-Weathermen-Hausband "Flowers On A Field" getrennt hatte, da sie seiner Ansicht nach politisch nicht radikal genug war. Kim Fowley, Gregs Bruder, finanzierte die erten Mega-Performances von DAS SCHWARZE LOCH UND DIE WEISSEN ZWERGE und produzierte ihre LP.

MICHAIL und ARKADJI TURKEJEW stammen aus Kiew. Die beiden Zwillingsbrüder brachen ihr Studium an der Polytechnischen Akademie in Moskau 1978 ab, um ein Untergrundtheater zu gründen. Nach einigen spektakulären Aktionen wurden sie 1981 verhaftet und wegen "Rowdytums" verurteilt, 1985 entlassen und ausgewiesen. Seitdem leben sie in Kalifornien.

SIRIUS VAMP GLOSTER gab 1980 nach einer Operation ihre Lehrtätigkeit an einer Industrieuniversität in Miami auf und zog nach Los Angles. Sie jobbte drei Jahre lang als Pornodarstellerin und arbeitete am "Time-Noise"-Klangsphären-Projekt mit, das 1984 in den Lucas-Studios produziert wurde.
1985 drehte sie ihren ersten eigenen Film, "Nymphomanic Confessions".

HAGBARD CELINE stammt aus San José de Bissao in Portugiesisch-Guinea und kam 1973 in die Staaten, wo er als Grossmeister des "Discord and Movement" mehrere Kommunen in der Sierra Nevada leitete.
...
1987 lernten sich Kate und Greg während eines Stromausfalls in New York kennen. Zurück in Los Angeles, gründeten sie mt den Turkajew-Brüdern

"DAS SCHWARZE LOCH UND DIE WEISSEN ZWERGE". Den Namen begründen sie mit einer gemeinsamen Begeisterung für Nietzsche und Kosmologie sowie mit einem verbindenden Hass auf alles Deutsche, "except Nietzsche".
Bald stiessen auch Sirius Vamp Gloster, die Kate von gemeinsamen Filmprojekten her kannte, und Hagbard Celine, der sich auf ein Review im "Maximum Rock'n Roll" hin meldete, zu der Truppe.

Mit ihren oft achtstündigen Mega-Performances, die sie vorzugsweise in Stahltanks oder Wasserspeichern aufführten, und durch ihre Zusammenarbeit mit "Negative Land" machten sie sich an der West-Coast rasch einen Namen, zumal es einige Verletzte gab. Sie bekamen aber auch prompt Ärger mit dem Staatsanwalt, der ihre erste LP nach zwei Wochen beschlagnahmen liess.
Als sich schliesslich noch das FBI für Hagbard und seinen engen Kontakt zu "Earth First" zu interessieren begann, beschlossen "DAS SCHWARZE LOCH UND DIE WEISSEN ZWERGE", ihr Hauptquartier von Los Angeles nach Tanger zu verlegen und vorläufig nur noch in europäischen und asiatischen Metropolen aufzutreten.
.INTERVIEW MIT KATE ANCHORAGE VON:

"DAS SCHWARZE LOCH UND DIE WEISSEN ZWERGE"

In Marseille erfahre ich, dass Kate Anchorage sich bei Freunden von mir in Madrid aufhält. Ich rufe an und wir verabreden uns in Fort Bou. Eine Woche später: Als Treffpunkt hat Kate mir die Casa Antario genannt. Nach halbstündigem Marsch durch die ausgedörrten Hügel erreiche ich die kleine, ehemals weisse Casa. Verlauste Hunde beissen sich um ein einsames Stück Aas und suchen jaulend das Weite, als ich mich nähere.

Auf dem Dach finde ich Kate. Sie schlägt vor, im Dorf einige Drinks zu nehmen. Die Hitze ist brutal. Kate bringt mich zur Bar Anconia. "Der Mann ist genial. Man kann in seiner Hütte schlafen, muss dann aber auch in seiner Kneipe trinken." Kate ordert Bier und Muscheln in Knoblauchsosse. Obwohl ihr schon nach einigen Schlucken Bier der Schweiss förmlich aus den Poren spritzt, sieht sie eigentlich ziemlich brav aus, mehr wie die Kassiererin in einem Bielefelder Marken-Discounter, als die LIVE-DEATH-Filmerin, die auf 15 Metern Super 9 200 Hamster abmurkst.

Kate, was war das eigentlich mit den Hamstern damals?

Ach, die Hamster! Du meinst meinen Film "Down of Gods". Nun, so wild war es nicht. Wir hatten uns schon ein paar Tricks erarbeitet und viel gemogelt. Wer bringt auch schon 206 Hamster um? (lacht) Nein, es waren nicht einmal 20.
Würde ich heute auch nicht mehr machen, aber das ist ja auch Historie. Ich dachte, du wolltest etwas über's Loch wissen?

Allerdings. Wie man hört, hab ihr die Staaten verlassen, weil Hagbard Celine Ärger wegen "Earth First" hatte?!

Nun, die Staaten verlassen, das ist korrekt. Mit Hags Ärger ist das so eine Sache. Er hatte zwar durch seinen Grandmaster-Job beim "Discordian Movement" mit "Earth First"-Leuten zu tun und damit auch mit FBI-Idioten, aber sein Problem war ein ganz anderes. Hag steht nun mal auf junge Mädchen. Ich meine, sehr junge Mädchen. Die Pigs in California finden so etwas nun überhaupt nicht witzig, und da wir plötzlich vor der Entscheidung standen, ohne Hag oder ausserhalb der Staaten weiterzumachen, sind wir eben nach Tanger gegangen.
Weisst du, von mir aus hätte Hag auch mal abgeben können, aber die anderen haben mich überstimmt. Einmal im Jahr spielen auch wir Demokratie. Naja, in Los Angeles gab es zum Schluss auch nur noch Trouble und für Trouble habe ich keine Zeit. So betrachtet fand ich Tanger dann auch eine gute Idee.

Wie gefällt es dir in Tanger?

Oh Mann! Tanger ist voller Stories, die direkt vom Himmel gefallen sind, es ist grossartig und es ist dreckig.

Kate lacht. Sie schluckt das Bier wie Wasser und die Muscheln wie Popcorn. Die Luft über der staubigen Strasse flimmert nicht mehr allein durch die Hitze.

Es ist sehr schwer, euch zu kontakten. Hat das System?

Nun, es gibt einen Haufen Leute, die uns nicht mögen und die reichlich lästig werden können. Keiner von uns geht ohne Waffen aus dem Haus. Stimmte es, das man in Germany keine Waffen tragen darf ?
Man braucht einen Waffenschein.

Das ist doch bullshit! Jeder sollte doch das Recht haben, sich gegen Schweine zu verteidigen.

Wieso habt ihr euch einen deutschen Namen zugelegt?

Naja - "das schwarze Loch und die weissen Zwerge" bedeutet natürlich ein Programm. Wirf mal ein paar weisse Zwerge in ein schwarzes Loch. Das ist ziemlich heftig, und genauso sind unsere Performances Ausserdem hassen wir alles Deutsche, ausser Nietzsche. Nietzsche war ganz schön schlau. Aber sonst ist Deutschland bullshit. Als ich noch in San Diego war, kamen öfters deutsche Punks vorbei. Mann, die waren wirklich dreckig. Voller Drogen und immer gleich zum Kühlschrank. Solche Arschlöcher sollte man sofort abknallen.

Wie arbeitet ihr zusammen?

Das Prinzip unserer Arbeit heisst Reibung. Offen gesagt, können wir uns alle nicht gut leiden. Besonders Greg (Fowley, d.A.) ist ein totales Arschloch und immer betrunken. Es geht also darum, nicht miteinander, sondern gegeneinander zu arbeiten. Dabei entstehen immer neue Ansätze, die wir weiterentwickeln oder auf den Müll schmeissen. Die Welt ist voller Krieg und unsere Performances sind Gewalt. Wir könnten uns auch auf den Strassen abknallen, aber so macht es mehr Spass.

Wie bist du zum Performen gekommen?

Ja, ich bin eines von diesen beschissenen Hippie-Kindern, aus denen sich bald 90 % der Durchgeknallten Amerikas rekrutieren werden. Meine Tante hat bei den CT's mitgemacht, und ich war schon von klein auf immer dabei. Auf Permanent Damage kannst du mich bei "The Captain's Fat Theresa Shoes" singen hören. (singt) "That wish they sould look like wood." (lacht)
Nach der Schule habe ich dann die LIVE-DEATH-Filme gemacht. Reichlich Ärger mit den Idioten vom Tierschutz, ich bin lieber nach Los Angeles gegangen. Dann habe ich einige Videos mit Lary (Wild Man Fisher, d. A.) gemacht. Im Prinzip dieselben Sachen auf eine abstrakte Ebene transportiert. "The Blue Pint Massacre" finde ich immer noch meinen besten Film. Irgendwann lernte ich Sirius (Vamp Gloster, d. A.) kennen. Sie hatte bisher nur in schmierigen Pornos die Beine breitgemacht. Sie ist wirklich fertig. Sie kommt aus einer katholischen Familie. Mann, das macht dich wirklich fertig!
Ich half ihr dann bei ihrem ersten eigenen Film. "Nymphomanic Confessions". Eines Tages kam Sirius mit'm komischen Typen an, den sie in N.Y. aufgegabelt hatte und der ziemlich bescheuert zu sein schien. Es war Greg Fowley und er schlug uns vor, mit den Turkejews eine Performance-Gruppe aufzumachen. Den Namen dachten wir uns zusammen aus. Die Turkejews schlugen vor, uns einzudeutschen.
Sie sind wirklich witzig, obwohl sie in Russland viel durchgemacht haben müssen. Soweit ich weiss, sind sie ins Lager geschickt worden, weil sie versucht haben, Stalins Leichen einen Walkman-Kopfhörer aufzusetzen. Sie sind natürlich nicht an ihn herangekommen.
Wir machten also unsere ersten Aktionen, vorzugsweise in der Wüste. Eines Tages tauchte Hag auf. Er hatte sich mit Greg sofort in den Haaren und wir nahmen ihn auf. Er ist wirklich durchgeknallt. Ich denke, er glaubt, die Reinkarnation von irgendeinem anderen Durchgeknallten zu sein. Hag hasst Deutschland, seit die Cops ihn in Berlin einmal zusammengeschlagen haben. Fähig!

Was bietet ihr bei euren Aktionen?

Früher waren wir ziemlich aggressiv und haben die Leute angegriffen. Das hat sich aber überholt - du kannst die Leute gar nicht mehr erschrecken, weil sie es nicht wert sind. Wir richten unsere Energie jetzt auf die Gruppe, das ist sehr spannend.

Wie geht es weiter?

Tanger ist jetzt erstmal unsere Basis. Wir haben ein schönes grosses Haus mit Schiessstand. Wir sind eingeladen worden, in Frankreich und in Jugoslawien aufzutreten. Im September werden wir eine Performance in Germany machen. Das wird vielleicht ganz witzig, den Deutschen mal etwas Terror und Humor beizubringen.
Etwas, das ich nicht vergessen werde. Aber der Reihe nach. Es ist schon spät, ca. zwei Uhr morgens, als die Band ihre Attack-Megaperformance in die Nacht schiesst. Und jeder, der dabei ist, es sind nur noch Wenige, wird das Gefühl nicht los, etwas erleben zu dürfen, was sich jedem rationalen Verständnis entzieht. Eine schwarze Messe in den tiefsten Abgründen unseres Universums bekommt hier ihren Auftritt. Geistige und akustische Spannungsfelder schlagen alles in den Bann eines paralysierenden Rituals. Es gibt kein Entkommen. Die Wenigen, die noch bei dem mit Enttäuschung zu Ende gegangenen Crossover-Festivals ausharrten, wollten ihren Augen nicht trauen.

Eine grell-weisse Erscheinung lockt mit Schnalzlauten das Publikum aus seiner Apathie und beschimpft es als "German Monkeys". Ein Zweiter im geschlossenen silbernen Gewand schreibt Beschwörungsformeln in den Raum. Zwei weitere Gestalten halten sich regungslos im Hintergrund. Das Ganze wird von den Frauen der Truppe eingerahmt. Kate Anchorage und Sirius Vamp Gloster.

Sehr unscheinbar bilden beide die Ruhepole, zwischen denen sich das Chaos langsam formiert. Ein Startschuss, aus einer Pistole abgegeben, macht sofort klar, dass es um etwas mehr geht als nur um einen gewöhnlichen Auftritt. Ein zeremonielles Geläute setzt den nachhallenden Schuss in einen zeitlosen Raum fort. Aus unendlich verschachtelten Gängen weht ein wimmernder Gesang herüber, wobei ein Intervall, sich ständig wiederholend, sich ins Schwarz verliert. So, als würde Maria Callas in einer riesigen Höhle mit sich selbst singen.

Ein stampfender Rhythmus versucht die Herzschläge durcheinander zu bringen. Psychotische Ängste schlagen Wellen in dem erstarrten Körper. Die zwei agierenden Gemüter geraten immer mehr gegeneinander. Der aggressive Funke springt ins Publikum über und spitzt sich auf der Bühne weiter zu.

Dann zerteilt plötzlich ein Schuss die gespannte Atmosphäre, ein Körper fällt schreiend auf den Boden, es ist der weisse Mann mit dem schwarzen Gesicht.

Fassungslos starrt der Zuschauer, dann löst sich in hysterischer Reaktion ein Applaus. Doch alles nur Show? Der weisse Mann wird von Ordnern weggetragen. Der Rest der Gruppe läuft entsetzt hinterher. Ein Ereignis, das man so schnell nicht vergessen wird. Verstört tritt das Publikum in die späte Nacht und weiss auch nicht, wohin es gehen soll ?

"Lunalanding living Sculpture @ City Nord

http://lunalanding.de

Lunalanding living sculpture - the artists´group positioned perfomativity at the center of their contribution to the project. In " Lunalanding" an invasion takes place, right in the middle of the grounds of action. This living sculpture landed and integrated those who present by means of indiscriminate disturbances: annoying sounds, obscure behavior and bizarre statements pushed the work towards absurdity. Somewhere between the future and the next complex.
This close encounter of an absurd kind was something that visibly overwhelmed some members of the public. A good opportunity to imagine what happens when people come into contact with art, or vice versa. Between annoyance and delays, some visitors were quite simply not prepared to engage in this sort of experience. For others however, perhaps not always voluntarily - it triggered somthing: a conversation, a thought, an idea. Something broke through the hardened facade of conditioning about what is expected of aesthetics, meaning and knowledge.

Lunalanding lebende Skulptur- die Kuenstlergruppe stellt performativitaet ins Zentrum der Arbeit. Eine Invasion findet statt, inmitten der Gaeste. Die lebend gelandete Skulptur integriert die Anwesenden durch flaechendeckend vermittelte Irritation. Eigenwillige Klaenge, obskure Handlungen und skurrile Anweisungen verorten die Arbeit im Absurden - irgendwo zwischen Zukunft und dem naechst gelegenen Komplex.
Diese Begegnung der anderen Art fuehrt bei einigen Besuchern zur sichtbaren Ueberforderung. Eine gute Gelegenheit, sich eine Vorstellung davon zu machen, wie es aussieht, wenn Menschen der Kunst begegnen - oder umgekehrt. Zwischen Hadern und Zoegern fehlt einigen Besuchern auch einfach die Bereitschaft, sich auf so etwas einzulassen. Bei anderen hat es jedoch - manchmal vieleicht unfreiwillig - etwas ausgeloest: ein Gespraech, ein Gedanke, eine Idee. Etwas blinzelt durch die hart antrainierte Fassade aus einer resoluten Vorstellung von Aesthetik, Sinn und Wissen
Video: Performance Lunalanding
2007
Projekt B-22
Erste Mondlandung
Originalaufnahmen unauffindbar

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa kann die Originalaufnahmen von der ersten Landung auf dem Mond nicht finden.
„Wir haben sie schon eine Weile nicht gesehen. Wir haben über ein Jahr danach gesucht, aber sie sind nicht aufgetaucht.“ Die Aufnahmen seien zunächst in den Nationalarchiven aufbewahrt, aber in den späten 70er-Jahren an die Nasa übergegeben worden. „Wir suchen nach Akten, um zu sehen, wo sie zuletzt waren.“
Sorgen mache sich die Nasa wegen der verlegten Aufnahmen aber nicht, erklärte der Sprecher. Der gesamte Inhalt der Bänder sei schließlich in irgendeiner Form anders gespeichert. Zudem sei es möglich, dass die Originalaufnahmen ohnehin nicht mehr abspielbar seien. Ihr Zustand könnte sich wie bei allen Magnetbändern im Laufe der Jahre zu sehr verschlechtert haben. Die Nasa hat auch Kopien der Fernsehübertragungen, doch die Qualität dieser Bilder ist schlechter als die Originalaufnahmen auf Magnetband.
"It's one small step for man, one giant leap for mankind", sagte am 20. Juli 1969 der Apollo-Astronaut Neil Armstrong bei seinen ersten Schritten auf dem Mond mit schauspielerischer Leichtigkeit ins Helmmikrofon. Was seinerzeit wie ein spontaner Gefühlsausbruch wirkte, war in Wirklichkeit eine im Vorfeld abgesprochene Äußerung: ein präparierter Spruch für die Geschichtsbücher.
Doch trotz der epochalen Dimension der Apollo-11-Mission nimmt es die US-Raumfahrtbehörde NASA mit ihren historischen Quellen offenbar nicht ganz so genau. Spätestens seit dem rätselhaften Verschwinden der Blaupausenoriginale der Saturn-V-Mondrakete ist in den NASA-Archiven der Wurm drin. Im Archiv des Marshall Space Flight Center (MSFC) in Huntsville/Alabama sind sie nur noch als Mikrofilm einsehbar, was für Raumfahrthistoriker nur ein schwacher Trost sein dürfte.
Auf Nimmerwiedersehen
Bei alledem nagt der mahlende Zahn der Zeit unverdrossen an den Dokumenten. Mal segnen wichtige NASA-Unterlagen frühzeitig das Zeitliche, vergilben und schimmeln vor sich hin oder verschwinden ganz einfach auf Nimmerwiedersehen – wie jüngst die Originalbänder der sechs bemannten Mondlandungen.
Wie auch immer die NASA vorgeht, ob sie eines Tages das endgültige Verschwinden Fehlen der Bänder eingesteht oder dieselben irgendwann wieder vorlegt - für die Anhänger der "Moon-Hoax-Theorie" macht dies keinen Unterschied. Sie werden auch weiterhin behaupten, dass die sechs Missionen zum Mond in irgendwelchen irdischen Studios abgedreht wurden.
Für den DLR-Physiker, der die Argumente der Verschwörungstheoretiker allesamt kennt, ist die NASA nicht in der Bringschuld.
Die Moon-Hoax-Befürworter müssen stichhaltige Beweise vorlegen. Dies ist aber nicht der Fall. Jedes ihrer Argumente kann Punkt für Punkt widerlegt werden." Die Apollo-Missionen seien ebenso wie der Fall der Berliner Mauer heute nur Geschichte, so Eversberg. Und die Wahrheit über ein historisches Ereignis lasse sich eben mittels einer naturwissenschaftlichen Methodik nicht nachweisen. "Wie will man etwa beweisen, dass die Berliner Mauer jemals gestanden hat, wenn ihnen sofort vorgehalten wird, dass alle Bilder, Filme gefälscht und alle Zeugenaussagen manipuliert worden sind."
Übrigens könnte die Sternwarte Bochum der US-Raumfahrtbehörde NASA bei der Suche nach den Magnetbändern mit Originalaufnahmen der Mond-Missionen behilflich sein. "Wir haben als eine der wenigen Stellen weltweit Rohmaterial, also keine Kopien von der Kopie, sondern direkte Aussendungen vom Mond. Sie sind bei uns in Bochum auf Magnetbänder gebannt worden", sagt der Direktor der Sternwarte Bochum (Institut für Umwelt- und Zukunftsforschung)
Von der ersten Mondlandung, der Apollo-11-Mission, habe man jedoch nur Ton-Mitschnitte. "Wir haben von Apollo 15 und folgenden Missionen Bilder.
Wir konnten aber natürlich nur dann aufnehmen, wenn das Raumschiff oder der Mond über Bochum sichtbar war und unsere 20-Meter-Parabolantenne somit Empfang hatte." Dennoch sei das Bochumer Material sicherlich historisch wertvoll und für die NASA interessant, sollten die Original-Aufzeichnungen verschollen bleiben. Insgesamt habe man 100 bis 150 Zwei-Zoll-Bänder, unter denen sich die Mitschnitte der Apollo-Missionen befinden.
Auch wenn nach NASA-Angaben alle anderen Daten in der einen oder anderen Form in Rundfunkarchiven vorliegen, befinden sich die qualitativ hochwertigen Primärfilme nunmehr auf einer Odyssee mit unbekanntem Ausgang. Für Lebar Grund genug, sich in Galgenhumor zu üben: "Die Apollo-Filme sind nicht verloren. Wir haben sie nur noch nicht gefunden."
Doch die Zeit drängt. Schließlich soll das "Data Evaluation Lab" (DEL) am GSFC aufgrund finanzieller Probleme schon im Oktober 2006 geschlossen werden. Hier, wo das letzte Labor mit Abspielmöglichkeiten für die Apollo-Magnetbänder steht, könnte sich das Schicksal der lunaren Originalaufnahmen entscheiden. Doch selbst wenn die Spulen demnächst wieder auftauchen, ist es mehr denn fraglich, ob diese sich infolge der fehlerhaften Lagerung überhaupt noch abspielen lassen. Auch die "Zeit" könnte längst an den Abspielgeräten genagt haben.

2007 setzte das Unternehmen Google einen US-$ 30 Mio. Preis (Google Lunar X-Prize) für denjenigen aus, der bis Ende 2012 einen Roboter auf den Mond bringt und u.a. Fotos von einer Mondlandungsstelle übermittelt.

Ursprünglich wollten die Rentner die antiquarisch hochsensiblen Magnetbänder auf den alten NASA-Geräten abspielen und mit einer modernen Kamera digitalisieren. Doch stattdessen mussten die NASA-Veteranen im Archiv des Goddard Space Flight Center (GSFC) in Greenbelt (US-Bundesstaat Maryland) den Staub von den Regalen kratzen. Von den historischen Filmrollen nicht den Hauch einer Spur.
Dass die NASA in der Vergangenheit das bedeutendste Filmdokument der Geschichte nicht digitalisierte, hat nach Ansicht des Kölner Astrophysikers und Raumfahrtexperten Prof. Hans-Joachim Blome von der Fachhochschule Aachen nachvollziehbare Ursachen:
Nach dem abrupten Ende des Apollo-Programms landeten die ganzen Bänder in den NASA-Archiven, ohne dass sich hierfür jemand großartig interessierte. Auch viele Rohdaten von interplanetaren Missionen sind bis heute nicht komplett analysiert, meist aus Kostengründen oder wegen eingesparten Personals.
Geisterhafte TV-Bilder
Zu den Zweiflern zählt auch der deutsche Sachbuchautor Gernot L. Geise, für den die Apollo-Mondlandungen eine "dunkle Seite" haben. "Es ist schon merkwürdig, dass der Verlust von einmaligem Datenmaterial so an die große Glocke gehängt wird. Normalerweise dürfte man annehmen, dass ein solches Vorkommnis still und leise unter den Teppich gekehrt wird, um eine Blamage zu vermeiden". Man könne in diesem Vorgang, so Geise gegenüber Telepolis, durchaus eine gezielte Aktion sehen, um bei kritischen Nachfragen sagen zu können, das Originalmaterial sei leider alles vernichtet. "Wenn man eine Verschwörung unterstellt, könnte die Meldung deshalb zeitlich verzögert worden sein, dass es für die Rettung der Daten auf jeden Fall zu spät ist, sofern sie noch aufgefunden werden. Solche Manipulationen würde man jedoch nur machen, wenn man etwas verschleiern will."
"Wir haben die Bänder seit einer ganzen Weile nicht gesehen, wir haben über ein Jahr nach ihnen gesucht – und sie sind nicht aufgetaucht", musste der NASA-Sprecher Grey Hautaloma vor einigen Wochen eingestehen. Genau genommen vermisst die NASA mehr als 13.000 Originalbänder, auf denen einmalige Live-Szenen der Mondmissionen verewigt sind.
Und von den unauffindbaren Filmspulen mit einer durchschnittlichen Bandlänge von 15 Minuten, die auf 698 Kisten verteilt sind, gibt es noch nicht einmal ein einziges digitalisiertes Duplikat. "Alleine von der Apollo-11-Mission gibt es drei Boxen, in denen 15 Filmrollen gelagert sind. Sie erzählen die ganze Geschichte der Mission", sagt Stan Lebar aus Westinghouse. Der 81jährige Rentner weiß, wovon er redet. Zu Apollo-Zeiten fungierte er als Programm-Manager für die TV-Mondkamera der sechs bemannten Missionen. Heute zählt er zu einem mehrköpfigen unabhängigen Team aus amerikanischen und australischen Weltraumveteranen, das im Rahmen des "Lunar Data Project" seit knapp vier Jahren u.a. auch nach dem heiligen Gral des Apollo-Programms fahndet.
Staubige Regale